Marianische  

Bürgerkongregation

Kaufbeuren

 

Mitten in der Zeit des 30-jährigen Krieges, als Kaufbeuren von der Pest heimgesucht wurde, kamen Jesuiten aus Füssen und gründeten am 7.12.1628 die marianische Bürgerkongregation – eine Verbindung von katholischen Bürgern, die versprachen, ein von Gebet, Anstand und sozialem Verhalten getragenes Leben zu führen. Derartige Kongregationen gibt es in der ganzen Welt. Seit 1653 ist die Kaufbeurer Kongregation
in die weltweite Hauptbruderschaft der
Jesuiten in Rom aufgenommen. Wie es damals üblich war, wurden für die verschiedenen Funktionen lateinische Namen vergeben; so gab es zunächst die Sodalen (Gefährten, Mitglieder), dann die Consultoren (Ratgeber), den Präfekten (Vorstand) und den geistlichen Begleiter (Präses). Miteinander wurden letztere der „Hohe Rat“ genannt.

Im Jahre 1681 war Matthias Höß, der Vater unserer HL. Mutter Crescentia Präfekt, also Vorstand. Diese Bezeichnungen hielten sich bis in unsere Zeit. Die Marianische Bürgerkongregation war vor allem eine Gebetsgemeinschaft, an vielen Sonntagen traf man sich zu Bruderschaftsandachten, also zu Gebet und Austausch. Wichtig war vor allem das Versprechen, auch über den Tod hinaus, der verstorbenen Mitglieder im Gebet zu gedenken. Bald aber übernahm die Kongregation auch soziale Verantwortung. Zum Einen ermöglichte die Kongregation Kindern von verarmten Familien den Schulbesuch, zeitweise stellte sie auch die Lehrer an, auch gründete sie die Lateinschule, deren Nachfolger heute das staatliche Gymnasium ist. Die Kongregation war nach 1890 bemüht, durch Einrichtung eines Jugendhauses der Jugend eine Tagesstätte zu geben. Doch das Hauptanliegen der Kongregation war es immer, die Sodalen anzuhalten ein durch tägliches Gebet und soziales Verhalten geprägtes Leben zu führen. Früher wurde das Fest Maria Verkündigung besonders gefeiert, auch die Heiligen Josef, Ignatius, Cosmas und Damian wurden aufwendig gefeiert. Diese Feste mit Angelobungsformel, Rosenkranz, Andacht, Amt und eucharistischer Prozession dauerten über einen halben Tag.

Heute gelten folgende Anliegen: tägliches Gebet, Anstand und soziales Verhalten. Da wir heute durch die Medien ständig beschallt, mit Eindrücken überhäuft und angehalten werden, das Leben immer intensiver (schneller, länger, höher...) zu genießen, gilt es dem Leben wieder einen Rhythmus, eine innere Ruhe, ein Gleichgewicht zwischen labora (arbeite) und ora (bete) zu geben. Unser jetziger Papst hat dies so kurz gefasst ausgesprochen:

Geben Sie dem Sonntag eine Seele, geben Sie ihrer Seele einen Sonntag.

Die marianische Bürgerkongregation will seine Sodalen – heute sagen wir, seine Mitglieder – anhalten, ein Leben zu führen, in dem das tägliche Gebet am Morgen und am Abend, die innere Einkehr, die Achtung des Sonntags, die Mitfeier der hl. Messe Bestandteil des Lebens sein müssen.

Die marianische Bürgerkongregation hat als Besitz die Kirche von
St. Cosmas und Damian in Kaufbeuren und die Fatimakapelle auf der Anhöhe von Kemnat. Das Mesnerhaus von
St. Cosmas wurde von der Stadt übernommen und dient der Pfarrei St. Martin als Kindergarten. Mit nur ihren freiwilligen Spenden versuchen wir Kirche und Kapelle in einwandfreiem Zustand zu erhalten. Daneben unterstützen wir den Kindergarten, die Wärmestube und die Missionswerke unserer Kirche. Dies ist nur möglich, weil Präses Herr Stadtpfarrer Waltner
und der Präfekt, Herr Ludwig Meggle, die Kongregation so verwalten, dass jeder Euro für mildtätige und kirchliche Zwecke zur Verfügung steht.

Wenn Sie, verehrte Leserin oder Leser dieser Zeilen, den Anliegen unserer Gemeinschaft zustimmen, dann werden Sie doch Mitglied unserer marianischen Bürgerkongregation in Kaufbeuren.