Der Heilige Dionysius

Der Patron der Oberbeurer Pfarrkirche ist der Heilige Dionysius von Paris. In älteren Kirchenbeschreibungen wird Dionysius Areopagita als Patron der Kirche bezeichnet, was auf einem Missverständnis beruhte in der Neuzeit beruhte..

 

Dionysius wurde vermutlich um das Jahr 250 n. Chr. von Papst Fabian mit sechs anderen Bischöfen zur Missionierung nach Gallien geschickt, wo er der erste Bischof von Paris wurde. Er betonte in seiner Lehre immer die Dreieinigkeit Gottes. Der Presbyter Arius hingegen verneinte die Wesensgleichheit Christi mit Gottvater und provozierte damit einen Kirchenstreit. Im Konzil von Nicäa (325 n. Chr.) wurde die Dreieinigkeit Gottes als allein gültig anerkannt und somit wurde die Lehre des Dionysius bestätigt. Als Dionysius viele Heiden zum Christentum bekehrte, ließ ihn der römischen Statthalter verhaften und zusammen mit seinen beiden Gefährten Rustikus und Eleutherius enthaupten (siehe auch Beschriebung der Stuckreliefs S. 13). Der Legende nach wurde er auf Montmartre enthauptet und soll danach seinen abgeschlagenen Kopf sechs Kilometer nach Norden getragen haben, wo er begraben wurde.

Der fränkische König Dagobert I. baute dort 626 die Abtei Saint Denis (Sankt Dionysius), die die Grablege der französischen Könige wurde. Seit 1450 zählt der Heilige zu den 14 Nothelfern, als Helfer gegen Kopfschmerzen und Hundebisse.

Als der heilige Paulus auf dem Areopag von Athen über den "unbekannten Gott" gepredigt hatte, schloss sich ein Mitglied des Areopags, Dionysius, ihm an und wurde Christ (Apg.17, 34). Im Lauf des Mittelalters wurde angenommen, dass der Heilige Dionysius von Paris mit dem Heiligen Dionysius Areopagita identisch sei.

Ein unbekannter syrischer Schriftsteller (wohl Petrus der Walker) verfasste im 5. Jahrhundert unter dem Pseudonym 'Dionysius Areopagita' verschiedene Schriften. In der damaligen Zeit war es üblich, sich als Zeitgenosse der Apostel zu bezeichnen, um den eigenen Schriften dadurch mehr Authentizität zu verleihen. Als Johannes Scotus diese Schriften im 9. Jahrhundert ins Lateinische übersetzte, wurde das Schriftwerk als urchristlich angesehen und erfreute sich deshalb in den Klöstern höchster Beliebtheit.

Im Jahr 827 schenkte König Ludwig der Fromme Abt Hildwin von St. Denis in Paris diese areopagitischen Schriften. Hildwin setzte den Heiligen Dionysius von Paris, dessen Leichnam und Kopf in St. Denis begraben waren, mit dem Dionysius Areopagita der areopagitischen Schriften gleich, dessen Schriften er sehr bewunderte . Der Religionsphilosoph Petrus Abaelard bemerkte diesen Irrtum zwar schon 1121, wurde darauf des Hochverrats bezichtigt und des Klosters verwiesen.

Diese mittelalterliche Vermischung von mehreren Heiligen führte später auch dazu, dass bei der Kirchenrenovierung von 1920 sowohl Dionysius von Paris als auch Dionysius Areopagita auf je einem Deckengemälde dargestellt wurde.

Erst durch Studien im 19. und 20. Jahrhundert konnte nachgewiesen werden, dass Dionysius von Paris und Dionysius Areopagita nicht miteinander identisch sind.