Liebe AmiGo Interessierte,

hier finden sie eine Geschichte und ein paar Gedanken für die nächste Zeit.

Der nächste AmiGo ist am 25. Oktober um 19.00 Uhr in der Kirche St. Peter und Paul

 

Geschichte

Es war einmal ein alter Mann, der in einem kleinen chinesischen Dorf lebte.
Der Mann lebte zusammen mit seinem einzigen Sohn in einer kleinen Hütte am Rande des Dorfes.
Ihr einziger Besitz war ein wunderschöner Hengst, um den sie von allen im Dorf beneidet wurden. Es gab schon unzählige Kaufangebote, diese wurden jedoch immer strikt abgelehnt. Das Pferd wurde bei der Erntearbeit gebraucht und es gehörte zur Familie, fast wie ein Freund. Eines Tages war der Hengst verschwunden.
Nachbarn kamen und sagten: "Du Dummkopf, warum hast Du das Pferd nicht verkauft? Nun ist es weg, die Ernte ist einzubringen und Du hast gar nichts mehr, weder Pferd noch Geld für einen Helfer. Was für ein Unglück!"
Der alte Mann schaute sie an und sagte nur: "Unglück - Mal sehen, denn wer weiß? Das Leben geht seinen eigenen Weg, man soll nicht urteilen und kann nur vertrauen."
Das Leben musste jetzt ohne Pferd weitergehen und da gerade Erntezeit war, bedeutete das, unheimliche Anstrengungen für Vater und Sohn. Es war fraglich, ob sie es schaffen würden, die ganze Ernte einzubringen.
Ein paar Tage später war der Hengst wieder da und mit ihm war ein Wildpferd gekommen, das sich dem Hengst angeschlossen hatte. Jetzt waren die Leute im Dorf begeistert.
"Du hast Recht gehabt", sagten sie zu dem alten Mann. Das Unglück war in Wirklichkeit ein Glück. Dieses herrliche Wildpferd ist ein Geschenk des Himmels, nun bist Du ein reicher Mann..."
Der Alte sagte nur: "Glück - Mal sehen, denn wer weiß? Das Leben geht seinen eigenen Weg, man soll nicht urteilen und kann nur vertrauen." Die Dorfbewohner schüttelten den Kopf über den wunderlichen Alten. Warum konnte er nicht sehen, was für ein unglaubliches Glück ihm widerfahren war?
Am nächsten Tag begann der Sohn des alten Mannes, das neue Wildpferd zu zähmen und zuzureiten. Beim ersten Ausritt warf ihn dieses so heftig ab, dass er sich beide Beine brach. Die Nachbarn im Dorf versammelten sich und sagten zu dem alten Mann: "Du hast Recht gehabt. Das Glück hat sich als Unglück erwiesen, Dein einziger Sohn ist jetzt ein Krüppel. Und wer soll nun auf Deine alten Tage für Dich sorgen?“
Aber der Alte blieb gelassen und sagte zu den Leuten im Dorf: "Unglück - Mal sehen, denn wer weiß? Das Leben geht seinen eigenen Weg, man soll nicht urteilen und kann nur vertrauen."
Es war jetzt allein am alten Mann, die restliche Ernte einzubringen. Zumindest war das neue Pferd soweit gezähmt, dass er es als zweites Zugtier für den Pflug nutzen konnte. Mit viel Schweiß und Arbeit bis in die Dunkelheit sicherte er das Auskommen für sich und seinen Sohn.
Ein paar Wochen später begann ein Krieg. Der König brauchte Soldaten und alle wehrpflichtigen jungen Männer im Dorf wurden in die Armee gezwungen. Nur den Sohn des alten Mannes holten sie nicht ab, denn den konnten sie an seinen Krücken nicht gebrauchen. "Ach, was hast Du wieder für ein Glück gehabt!", riefen die Leute im Dorf.
Der Alte aber sagte: "Mal sehen, denn wer weiß? Aber ich vertraue darauf, dass das Glück am Ende bei dem ist, der vertrauen kann."

Verfasser unbekannt

Zum Nachdenken:

Hoffnung – auf was wir so alles hoffen: gute Ergebnisse in der Schule, gelingende Freundschaften, Anerkennung im Beruf, die Erfüllung vieler Wünsche…
Was erhoffe ich mir in meiner momentanen Situation? Von meinem Leben?
Ob ich mir auch etwas von der Kirche erhoffe, vom Glauben, von Jesus?
Aus was kann ich vertrauen? Was gibt mir dazu Kraft?

 

Was ich von der Zukunft erhoffe, das bestimmt mein Handeln in der Gegenwart. Wenn ich befürchte, dass an einer Situation nichts mehr zu retten ist, warum sollte ich mich dann anstrengen, statt es mir bequem zu machen. Wenn aber die Hoffnung auf den neuen Himmel und die neue Erde in meinem Herzen Raum hat, dann werde ich auf diese Zukunft hin leben und handeln, auch wenn es noch so viele Rückschläge gibt.
Menschen, die aus Hoffnung leben, sehen weiter.
Menschen, die aus Liebe leben, sehen tiefer.
Menschen, die aus dem Glauben leben, sehen alles in einem anderen Licht

 

AmiGo Mai: 

Gefangen im Spinnennetz

Es war endlich Frühling geworden. Nach einem langen, harten Winter mit meterhohem Schnee wurden die Tage nun wieder länger, die Temperaturen stiegen an und die Sonne schien kräftig vom Himmel. An diesem wirklich schönen Tag krabbelte die kleine Fliege aus ihrem Unterschlupf, reckte und streckte sich und hielt ihre Nase der Sonne entgegen.
»Ist das toll heute. Das ist genau die richtige Zeit, um endlich wieder ins Freie zu kommen.« Sie überlegte, ob sie als Erstes ihren Freund, den kleinen Frosch, besuchen sollte. Aber dann entschied sie sich dagegen, warf ihre beiden Flügel an und düste durch die Luft.
Von Minute zu Minute wurde sie schneller, tobte sich aus, düste ganz knapp an den ersten Blüten des Frühlings vorbei und umrundete immer wieder in waghalsigen Manövern Blumenstängel und herab hängende Äste. Plötzlich knallte sie gegen etwas, das sie nicht gesehen hatte. Da war eine unsichtbare Wand, die die kleine Fliege in ihrem Flug von einer Sekunde zur nächsten abbremste und zum Stillstand brachte. »Was ist denn hier los?«, wunderte sich die kleine Fliege. »Es gibt doch keine unsichtbaren Wände im Wald.«
Schon wollte sie weiter fliegen, kam aber nicht mehr vom Fleck. Erst jetzt fiel ihr auf, dass um sie herum dutzende dünne Fäden gespannt waren, die man fast nicht sehen konnte. An jedem dieser Fäden hingen kleine Tröpfen, die unglaublich fest klebten.
»Oh, nein! Ist das etwa ein …«
Weiter kam die kleine Fliege nicht mehr. Denn schon näherte sich ihr ein gefräßiges Ungetüm mit vielen Augen und acht zierlichen Beinen.
»Ich sitze in einem Spinnennetz fest!«
Wie wild strampelte die kleine Fliege umher und versuchte, sich irgendwie zu befreien. Ohne Erfolg. Mit jeder Bewegung klebte sie nur umso fester im Netz.
»Nun zappel doch nicht so.«, sagte die Spinne beschwörend. »Je mehr du dich bewegst, umso mehr Arbeit habe ich nachher, dich aufzufressen. Weg kommst du jetzt eh nicht mehr. Du musst dir gar nicht mehr so viel Mühe geben.«
Kurz hielt die kleine Fliege inne. Doch dann strampelte sie umso mehr und rief laut um Hilfe. Sie wollte auf keinen als Spinnenfutter enden.

»Ich habe doch gesagt, dass du das lassen sollst.«
Die Spinne wurde nun bestimmender, fast wütend. »Du wirst mir noch mein schönes Netz kaputt machen. Du weißt ja gar nicht, wie viel Arbeit da drin steckt.«
In diesem Moment war ein lautes Quaken vom Boden zu hören. Der kleine Frosch war gekommen. Er hatte den Hilferuf gehört.
»Auch wenn sich das jetzt blöd anhört, aber hör auf die Spinne und verhalte dich ganz ruhig. Je fester du im Netz klebst, desto schwieriger wird es, dich zu retten.«
Die Spinne begann zu grinsen. »Hörst du das? Der Frosch da unten weiß es besser als du. Der ist wohl auf meiner Seite. Vielleicht gebe ich ihm ein Stück von dir ab. Mir wurde mal gesagt, dass Frösche den gleichen Geschmack haben, was das Frühstück angeht.«
Das zu hören, machte die kleine Fliege so richtig wütend. Sie ergriff ein Stück eines Blütenblattes, das am Spinnenfaden hing, kleisterte es mit Spinnenkleber ein und warf diesen mit voller Kraft der Spinne entgegen.
Die Spinne war Von diesem Angriff so überrascht, dass sie nicht mehr schnell genug reagieren konnte. Das Wurfgeschoss traf sie mitten im Gesicht und verklebte ihr das gefräßige Maul.
»Jetzt schaut sie aus, als würde sie einen Mundschutz tragen«, jubelte die kleine Fliege. Während die Spinne noch versuchte, sich vom Blütenblatt zu befreien, kletterte der kleine Frosch in die Höhe und zerriss mit einem Stock einen Spinnenfaden nach dem anderen, bis die kleine Fliege zu Boden fiel.
»Jetzt nehme ich dich erstmal mit zum Teich. Da wasche ich dir das klebrige Zeug ab. Dass du aber auch immer so unvorsichtig durch die Weltgeschichte fliegen musst.«
Die kleine Fliege nickte.
»Tut mir leid. Ich werde in Zukunft besser auf mich aufpassen.«

(c) 2020, Marco Wittler

Zum Nachdenken:

  • - Was sind meine unsichtbaren Wände, die mich einbremsen und fesseln?
  • - Wen würde bzw. müsste ich aus seinem Spinnennetz befreien?

Achten Sie in der kommenden Zeit, in der das normale Leben so langsam wieder anläuft, darauf, wo in Ihrem Leben unsichtbare Wände sind, die Sie in Ihrem Elan bremsen. Vielleicht ist es sinnvoll das ein oder andere Spinnennetz nochmal zu überdenken und / oder es einfach zu Umfliegen.

Wir wünschen ihnen alles Gute für die kommende Zeit.

Manuela Friedauer und Kathrin Seichter

 

 

AmiGo April: 

Sascha mit den bunten Fäden

Sascha war ein kleiner Zigeunerjunge und lebte in einem alten Planwagen am Rande eines großen Königreiches, genannt Monotonia.

Um sich dieses Königreich vorzustellen, muss man eigentlich alle Vorstellungen ablegen. Da gab es weder Farben noch Bilder, weder Töne noch Melodien, weder Lachen noch Weinen. Die letzten Bäume waren dem Asphalt gewichen und auch die bunten Blumen waren abgeschafft worden. Selbst dem Menschen war es das Wichtigste, genauso zu sein, wie alle anderen Menschen auch. Einzigartigkeit, Unverwechselbarkeit und Originalität zählten nicht mehr viel. Das einzige, was noch ein wenig Farbe in diese Welt brachte, war das Make-up, hinter dem manche Menschen ihr wahres Gesicht wie hinter einer Maske verbargen. Kurzum: Es schien, als ob in Monotonia das Leben ausgezogen sei, als ob hinter den großartigen Fassaden der Häuser und hinter den Gesichtern der Menschen nur noch Leere verborgen wäre und als ob die Menschen ihre Träume verloren hätten.

„Wenn ich nur ein Erfinder wäre“, träumte Sascha, „wie bunt und abwechslungsreich, wie lebendig und glücklich könnte die Welt sein!“ Aber er war kein Erfinder und beim besten Willen hatte er keine Idee, wie er allein Monotonia verändern könnte. So machte er sich eines Tages auf eine große Wanderschaft, um das richtige Leben zu suchen und um herauszufinden, ob es nicht ein Plätzchen auf der Welt gäbe, das anders sei. Lange wanderte er durch das Land und sah viele Städte und Dörfer, aber überall traf er auf die gleiche Einförmigkeit. Monotonia schien groß zu sein. Erst als Sascha sich ein Herz fasste und die Grenze der Alltäglichkeit überschritt, traf er in einem Wald auf ein altes Mütterchen, das ganz anders war als all jene Menschen, denen er bislang begegnet war. Das Mütterchen hatte gute, wissende Augen, die voller Träume und Sehnsüchte steckten und eine tiefe, ansteckende Lebendigkeit ausstrahlten. Traurig und mutlos erzählte Sascha ihr von dem faden Leben im Königreich Monotonia und von seinem alten Planwagen. Als er seine Geschichte beendet hatte, funkelten Freudentränen in den Augen der alten Frau. Wortlos nahm sie Sascha bei der Hand und führte ihn zu ihrer Holzhütte, die tief im Wald verborgen lag. Im Dämmerlicht erkannte Sascha einen großen Webstuhl, der den ganzen Raum ausfüllte. Die Frau zündete ein Licht an und Sascha war wie geblendet vom Leuchten der schönsten Farben, die er je gesehen hatte. Dieses Leuchten kam von einem wunderschönen Teppich, der in den Webstuhl eingespannt war. Der Teppich bestand aus unendlich vielen kleinen Mustern und Bildern in den herrlichsten, lebendigsten Farbtönen. Sascha war in andächtiges Staunen versunken, als die Stimme des Mütterchens ihn aus dieser bunten Welt herausrief. „Das ist das Bild eines erfüllten Lebens“, sagte sie. „So wie dieser Teppich aus vielen bunten Fäden gewebt ist, so weben auch wir an unserem Leben. Jede Stunde unseres Lebens ist wie ein bunter Faden. Jedes kleine Lachen, jedes gute Wort und jede phantasievolle Aufmerksamkeit machen mein Leben farbig, einzigartig und unwiederbringlich. Ein Leben, das aus solchen Fäden gewoben ist, erhält die nur ihm eigenen Farben und ein ganz eigenes Muster.“ Nachdem die alte Frau eine Weile geschwiegen hatte, nahm sie einen Zopf vom Webstuhl, der aus zahlreichen bunten Fäden geflochten war. „Denke immer daran, der Mensch sollte das gefühlvollste Wesen auf der Welt sein!“, sagte sie zu Sascha und schenkte ihm den Zopf.

Sascha kehrte nach Monotonia zurück und begann mit den bunten Fäden gegen Langeweile und Gleichförmigkeit anzukämpfen. Bei allen möglichen Gelegenheiten verschenkte er einen Faden wie eine Stunde seines Lebens mit einem guten Wort, mit Lachen, Weinen oder Hilfe - so, wie es gerade nötig war und wie es den Menschen gut tat. Die Fäden aber wurden nicht weniger. Jeder verschenkte Faden verdoppelte sich. Wurden diese dann weitergegeben, so vervierfachten sie sich. Und so ging es in einem fort. Die Menschen spürten, dass sie immer wieder dann von Einförmigkeit befallen wurden, wenn sie ihr Leben für sich behielten.

„Jedes eingesperrte bisschen Leben, und wenn es nur eine Minute, ein Atemzug oder ein Augenblick ist, stirbt auf der Stelle und ist für immer verloren“, sagten sie zueinander. „Nur dort, wo man das Leben mit anderen teilt und an sie verschenkt, wird es wirklich lebendig.“

Ulrich Peters

 

 

Zum Nachdenken:

  • - Wie bunt ist mein Leben?
  • - Was macht mein Leben bunt/bunter?
  • - Womit kann ich anderen das Leben bunter machen?

 

Achten Sie in der kommenden Zeit darauf, wo und wie Sie das Leben für andere und für sich etwas bunter und fröhlicher machen können. Vielleicht mit einem Anruf, einem Brief, einem Lächeln….

Es fällt ihnen sicher etwas ein, womit sie anderen und sich eine Freude machen können.